Tanz- und Bewegungstherapie

«Bewegung kann den Graben zwischen internen und externen Bedürfnissen überbrücken. Bewegung hilft, die subjektiven und objektiven Aspekte des individuellen Lebens zu integrieren. Indem der Mensch Gefühle über den Körper hinaus in den Raum projiziert, werden die Bewegungen sofort kommunikativ. Besonders wichtig ist deshalb, dass das Subjektive in eine kommunizierbare Form gebracht wird und so angepasst und geformt wird, dass Bezüge hierzu hergestellt werden können.»
Irmgard Bartenieff

 

Geschichte

Der Tanz ist eines der ältesten therapeutischen und künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten der Menschheit. Alte archaische Kulturen, wie zum Beispiel jene bei den Naturvölkern, machen sich die Kraft der Bewegung und des Ausdruckes über Rhythmus und Rituale zu Nutze.

Die moderne Tanztherapie bezieht das Wissen von Tanz und Bewegung als heilkräftiges Medium mit ein und passt sich an die moderne westliche Zivilisation an.

Sie ist geprägt durch den Ausdruckstanz in Deutschland der zwanziger Jahre und dem Modern Dance in den USA. Pionierinnen waren unter anderem Loie Fuller, Isadora Duncan, Grete Wiesenthal, Mary Wigman, Martha Graham, Doris Humphrey, Anita Berber, Gret Palucca, Rosalia Chladek oder Josephine Baker. Lilian Espenak, Marian Chace, Mary Whitehouse oder Trudi Schoop haben die Tanztherapie massgeblich geprägt.

Die heutige Tanztherapie enthält tiefenpsychologisches Gedankengut, körpertherapeutische Ansätze, kunsttherapeutische Methoden sowie humanistische Psychologie und ist aktionsorientiert. Sie wird zu den kreativen, künstlerischen und körpertherapeutischen Verfahren zugeordnet.

 

Schweiz – Deutschland – Europa – USA

Seit etwa sechzig Jahren wird Tanztherapie als eine Therapieform in den USA praktiziert und wurde in den 1980er Jahren akademisiert.

In Europa zeigt sich ein unheitliches Bild. In England, Spanien und Holland ist die Tanztherapie ebenfalls an den Universitäten etabliert; in Deutschland seit 2012 an der Hochschule Heidelberg. In den anderen Ländern werden Tanztherapeuten durch private Institutionen ausgebildet.

 

Ressourcenorientierte Tanz- und Bewegungstherapie

Durch die ressourcenorientierte Haltung in der Tanz- und Bewegungstherapie stehen persönliche wie auch zwischenmenschlichen Potenziale, Stärken oder Kraftquellen im Vordergrund. Diese sind für die Bewältigung der Lebensanforderungen wichtig. Gesundheit und Wohlbefinden sind von ihrer Verfügbarkeit und ihrem Einsatz abhängig.

 

Wirkung
  • fördert den positiven Zugang zum Körper
  • fördert Belastbarkeit und Ausgeglichenheit
  • fördert und sensibilisiert die Sinneswahrnehmung
  • fördert Selbstwahrnehmung, Selbstregulation und Selbstverantwortung
  • fördert die Wahrnehmung innerer und äusserer Vorgänge
  • fördert das individuelle kreative Potential
  • stärkt die Autonomie und Identität
  • aktiviert Selbstheilungskräfte
  • unterstützt persönliche Entwicklungsprozesse
  • initiiert und festigt Erkenntnis-, Erfahrungs- und Änderungsprozesse
  • die Lebendigkeit und Fähigkeit, im Hier und Jetzt zu bleiben, nehmen zu. Dies ermöglicht eine tiefere und raschere Verarbeitung.
  • siehe diverse Studien

 

Begleitung und Unterstützung
  • in Krankheits- und Krisensituationen
  • in Veränderungsprozessen
  • in Übergangssituationen
  • bei psychischen, psychosomatischen und somatischen Störungen
  • bei Entwicklungsstörungen