Mobbing


Mobbing ist eine Form der Verletzung der persönlichen Integrität

Staatssekretariat für Wirtschaft SECO


In diesem Blog-Artikel geht es um Mobbing am Arbeitsplatz.
Mobbing ist ein extremer sozialer Stressor. Soziale Stressoren werden durch ihre Dauer, Häufigkeit und Systematik zu Mobbing.



Begriffs-Definition

Der Begriff Mobbing wurde aus dem Englischen übernommen. Das Verb «to mob», abgeleitet von Mobbing, bedeutet „belästigen, anpöbeln, bedrängen, attackieren, angreifen.“ Das deutsche Wort «Mob», ebenfalls aus dem Englischen entlehnt, bezeichnet eine aufgewiegelte Volksmenge sowie allgemein „Meute, Gesindel, Pöbel, Bande“.


Einführung

Mobbing liegt vor, wenn eine einzelne Person am Arbeitsplatz häufig oder über einen längeren Zeitraum durch eine beliebige Art von Gruppe systematisch schikaniert, drangsaliert, ungerecht behandelt oder benachteiligt und ausgegrenzt wird.

Bei Mobbing bleibt das Grundproblem im Hintergrund. Stattdessen wird die angegriffene Person als Problem in den Vordergrund gerückt.


Typische Mobbinghandlungen

  • Ignorieren, Einschüchtern, Blossstellen, Lächerlich machen
  • Intrigen spinnen, Gerüchte verbreiten, falsche Tatsachen verbreiten
  • Beschädigung des Ansehens / Rufmord
  • Zuweisung sinnloser Aufgaben
  • Androhung und Ausübung körperlicher Gewalt
  • Verbale Gewalt: mündliche Drohung, Androhung, Demütigung
  • Verbale Aggression
  • Soziale Isolation: Meiden und Ausgrenzen von Personen
  • Ständige Kritik an der Arbeit
  • Kompetenzentzug
  • Destruktive Kritik / Geballte negative Rückmeldungen
  • Fehlen positiver Rückmeldung
  • Vorenthalten von Anerkennung
  • Vorenthalten von Informationen
  • Ausstechen durch Falschinformationen
  • Arbeitsabläufe werden unzureichend erklärt
  • Sexuelle Belästigung
  • Angriffe gegen Arbeitsleistung / Leistungsvermögen
  • Angriffe gegen den Bestand des Beschäftigungsverhältnis
  • Angriffe gegen die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit
  • Versagen von Hilfe
  • Angriffe gegen die soziale Integration am Arbeitsplatz
  • Angriffe gegen das soziale Ansehen im Beruf
  • Angriffe gegen das Selbstwertgefühl
  • Angriffe gegen die Person und ihre Privatsphäre

Eine einzelne Handlung ist noch kein Mobbing.

Mobbing in der Arbeitswelt

Mobbing von oben (bossing) Ursachen von Übergriffen eines Vorgesetzten gegen Mitarbeiter sind z.B.: Angst vor Autoritätsverlust, Disziplinierung, Antipathie, Racheaktionen, mangelnde soziale Kompetenz

Mobbing unter Kollegen (bullying) Ursachen für Übergriffe unter Kollegen sind z.B.: Informationen vorenthalten, Ärger, Anpassungsdruck, Feindschaft, Unzufriedenheit

Mobbing von unten (staffing) Mobbing von unten ist selten, kommt jedoch auch vor. Ursachen für Übergriffe gegen Vorgesetzte sind z.B.: Grenzen austesten, Angriffe wegen Fehler, eigene Interessen an der Führungsfunktion


Verlauf

Nach Meschkutat verläuft Mobbing in 5 Phasen

Phase 1 – Konflikte, einzelne Vorfälle
Entscheidend ist, wie man mit Konflikten umgeht. Unbearbeitete Konflikte, die vor sich hin schwellen, werden zum Problem. Schleichend kann sich eine aggressive gereizte Stimmung entwickeln. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Konflikt eskaliert und in Mobbing umschlägt, erhöht sich. Das Verhalten ist gekennzeichnet von Irritiertheit, Reizbarkeit und einseitigem Argumentieren für den eigenen Standpunkt. Das Bemühen um eine rationale Konfliktlösung steht noch vordergründig. Jedoch sind schon Verunsicherung, Verärgerung und Angst untergründig vorhanden.

Phase 2 – Selbstverteidigungszwang als unterschwellige Mobbingvoraussetzung
Die Sachauseinandersetzung tritt in den Hintergrund, der Konflikt wird personifiziert. Die eigene Machtposition wird als bedroht erlebt. Die Verunsicherung der Beteiligten ist stark. Die Bereitschaft, soziale Normen zur Absicherung der eigenen Position zu umgehen, wächst. Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit wird zur Konfliktaustragung genutzt. Beim Betroffenen stellen sich erste Stresssymptome ein, welche zunehmen.
Phase 2 ist nicht zwingend. Phase 1 kann auch direkt in Phase 3 münden.

Phase 3 – Eskalation
Die gemobbte Person wird nicht mehr akzeptiert und respektiert. Sie wird unsicher, macht Fehler, fällt negativ auf. So werden fortschreitende Ausgrenzungen gerechtfertigt. Ihr wird nahe gelegt zu kündigen oder eine andere Position zu suchen. Die Verfassung des Mobbingopfers verschlechtert sich weiter bis zu schweren Erkrankungen. Täter- und Opferrolle haben sich verfestigt. Da der Arbeitsablauf gestört ist, muss die Organisation reagieren. Durch das Aufsehen wird die Situation weiter verschärft. Die Gerüchteküche brodelt.

Phase 4 – Fehldiagnose
Die Gesundheit der gemobbten Person hat sich verschlechtert. Ärzte oder Psychologen werden aufgesucht. Ob die Arbeitsbedingungen dann als Hauptursache für die Erkrankung erkannt werden, ist nicht sicher. Darum sind Fachleute, die sich im Thema «Mobbing» qualifiziert haben, die besten Ansprechpersonen.

Phase 5 – Endstation
Die gemobbte Person wird aufs Abstellgleis gestellt. Sie wird langfristig krankgeschrieben, frühpensioniert oder ihr wird gekündigt. Im Extremfall mündet es in Gewalt oder Selbstmord.


Ursachen von Mobbing

  • Persönlichkeiten, Charaktere, Hautfarbe, Geschlecht, Identität
  • Organisationsklima
  • Führungsstil des Vorgesetzten
  • Konjunkturelle oder problematische Rahmenbedingungen
  • Schlechte Arbeitsbedingungen
  • Verunsicherung oder erhöhter Druck
  • Angst vor Arbeitsplatzverlust
  • Schlechte Chancen für Arbeitsplatzwechsel
  • Ungünstige Bedingungen
  • Inoffizielle Personalarbeit
  • Strategie zur Selbstwertstabilisierung
  • Strategie zur Statussicherung
  • Unbewusstheit, Ignoranz


Folgen für das Mobbingopfer

  • Arbeits-/Leistungsabfall
  • Hoher Energieverbrauch, um sich zu behaupten und sozialen Status aufrecht zu erhalten
  • Ziel- und orientierungslos, letztendlich handlungsunfähig
  • Selbstzweifel und Angst
  • Kämpft um den Erhalt der eigenen Würde
  • Verhält sich zunehmend unsicher
  • Das Selbstbild wird destabilisiert
  • Psychosomatische Stresssymptome: Unwohlsein, Magenprobleme/ Durchfall, Kopfschmerzen/Migräne, Schlafstörungen, Nasennebenhöhlenerkrankungen -> chronisch
  • Psychische Störungen: Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Depressionen, Substanzmissbrauch/Suchtproblematik, usw.
  • Im privaten Umfeld: aufgeben von Familienunternehmungen oder Freizeitaktivitäten, Ausgabeneinschränkung, Umzug, Kosten für Fachberatung/Ärzte, Belastung für Familienmitglieder, Eheprobleme, Rückzug von Freunden/Bekannten

Leymann (1993): «Was auch immer der Betroffene unternimmt um sich aus der Mobbingsituation zu befreien, es sind die Mobber, die einseitig darüber urteilen, ob das Mobbing endet oder nicht.»

Mobbingprozesse werden bis zum bitteren Ende durchgeführt. Die Betroffenen weichen.


Folgen für die Organisationen


Wirtschaftlich negative Wirkung und zerstörerisch auf das innerbetriebliche Klima
  • Verminderte Arbeitsproduktivität
  • Vermehrt Fehlzeiten wegen Krankheit
  • Höhere Fluktuation, mehr Kündigungen und Versetzungen
  • Verschlechterung des Betriebsklimas
  • Arbeitsrechtliche Verfahren
  • Hohe Kosten
  • Volkswirtschaft: Heilbehandlungen, Rehabilitationskuren, Dauerarbeitslosigkeit, Frühverrentung


Erfolgreicher Umgang mit Mobbing


Gute Merkmale für das Durchstehen von Mobbing
  • Gute persönliche Konfliktfähigkeit
  • Sozialer und beruflicher Rückhalt
  • Hohe Konfliktkompetenz in der Organisation
  • Externe Unterstützung
  • Rechtzeitige und angemessene Grenzziehung

Betroffene Einzelperson
  1. Frühzeitig Grenzen ziehen und konsequent aus dem Mobbingprozess aussteigen
  2. Eine persönliche Stabilisierung ist notwendig
  3. Die Form der Zusammenarbeit oder die Interaktion von Mobbern und Gemobbten muss sich grundsätzlich ändern

Organisationen

Entziehen sie Mobbing im Vorfeld den Nährboden:

  • Fürsorgepflicht: Der Vorgesetzte hat die Fürsorgepflicht und Weisungsbefugnis für seine Mitarbeiter. Erkennt er Mobbing, ist er gefordert rechtzeitig einzugreifen.
  • Arbeitsorganisation: grössere Handlungs- und Entscheidungsspielräume, transparente Entscheidungsprozesse, Informationspolitik verbessern, Zuständigkeiten klar regeln.
  • Aufklärung und Schulung: Schulungen über das Thema Mobbing, Kooperativer Führungsstil, Unterstützung wird geschätzt, Intrigen gelten als unsozial und unerwünscht, regelmässige Besprechungen.
  • Konfliktbeauftragte: Anlaufstelle für Konfliktregelung, kann Kontakt zu Psychologen, Ärzten, Rechtsanwälten vermitteln.
  • Betriebsvereinbarung: Verhaltenskodex festlegen, Verfahren bei Verstössen dagegen.
  • Diversity-Management: fördern personeller Vielfalt.

Gesellschaft: Hilfsmöglichkeiten für Mobbingopfer
  • Einrichtung von Beratungsstellen speziell für Mobbingfragen
  • Rechtsberatung in Bezug auf mögliche arbeits- oder dienstrechtliche Sanktionen, das zugleich strafrechtliche relevante Handlungen enthält
  • Fortbildung der Hausärzte im Thema Mobbing
  • Psychologische Beratung und psychotherapeutische Behandlung


Fazit

Der Arbeitgeber ist gegenüber dem Arbeitnehmer zur Fürsorge verpflichtet. Er muss die Arbeitnehmer vor Mobbing schützen.

Mobbing-Betroffene sollten rechtzeitig Gegenmassnahmen ergreiffen. Werden sie aktiv, sobald sie merken, dass sich etwas gegen sie zusammenbraut. Warten sie nicht, bis die Attacken gegen sie alltäglich werden. Wenn sie wissen, wer die Angriffe gegen sie anzettelt, stellen sie diese Person zur Rede. Unterstellt man ihnen Fehler oder verbreitet Gerüchte über sie, sollten sie diese sofort richtigstellen. Suchen sie sich eine unabhängige Vertrauensperson: Partner, Familie, Freunde, Bekannte, Hausarzt, Psychologe, Therapeut, Gewerkschaft, Rechtsanwalt, Mobbingberatungsstelle, Selbsthilfegruppe, Lebens-/ Krisenberatungsstelle, Betriebs- oder Personalmitglied, usw. .

Ein Rechtsstreit ist psychisch belastend. Sie werden wieder mit den Mobbingattacken konfrontiert. Führen sie frühzeitig ein Mobbingtagebuch. Finden sie Zeugen, die Ihre Schilderungen bestätigen.


Quelle / Literatur
Litzcke, Schuh, Pletke: «Stress, Mobbing, Burn-out am Arbeitsplatz» – Umgang mit Leistungsdruck, Belastungen im Beruf meistern, mit Fragebögen, Checklisten, Übungen

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